Ich bin in West-Berlin aufgewachsen und mit dem Grips-Theater sozialisiert worden. Als Schülerin durfte ich in alle Häuser gehen, die Stadt hat mir das ermöglicht.
Seit 1994 lebe ich in Mitte. Im Bezirksparlament ist es mir gelungen das Monbijoutheater einen wichtigen kulturellen Begegnungsort im Kiez zu retten.
Berlin ist keine Stadt, die zufällig zur Kulturmetropole geworden ist. Nach der Wiedervereinigung entstanden hier Freiräume, in denen die Gesellschaft sich neu denken konnte. Clubs, Theater, Ateliers, Galerien, in Lücken, Brachflächen, Hinterhöfen. Das ist die DNA dieser Stadt. Und die ist nicht reproduzierbar.
Kultur ist Diskursmotor und Wirtschaftsfaktor zugleich. Auf einer Bühne passiert etwas, das in keiner Talkshow passiert: Menschen begegnen sich, sie sehen sich selbst anders, sie sehen die Gesellschaft anders.
Gleichzeitig zieht Kultur Menschen aus aller Welt an, schafft Arbeitsplätze und macht Berlin lebenswert. Wer Kultur kürzt, spart am falschen Ende.
Die aktuelle planlose und überproportionale Kürzungswelle, trifft die freie Szene, die Kinder- und Jugendtheater, die Stadtteilkultur –die Orte, wo Kultur wirklich alle erreicht. Und der Museumssonntag ist weggefallen. Eine der niedrigschwelligsten Möglichkeiten kultureller Teilhabe. Das ist das Erste, was ich zurückbringen will.
Ich setze mich für ein Berliner Kulturfördergesetz ein: stabile Rahmenbedingungen, Mindeststandards gesetzlich verankert, nicht verhandelbar mit jedem neuen Doppelhaushalt. Ich will Kultur und Bildung stärker verzahnen – Kulturvermittlung ist die Voraussetzung dafür, dass das Publikum von morgen nicht nur aus Menschen besteht, die schon immer ins Theater gegangen sind.
Und ich unterstütze die Zentralbibliothek am Alexanderplatz: Wissen, Kultur und öffentlicher Raum gehören zusammen, mitten in die Stadt, für alle.
Kultur braucht keine Gunstbezeugungen je nach Haushaltslage. Sie braucht Verlässlichkeit.